Katalog zur Ausstellung 01.08.2025

Zur Ausstellung "Remix - Von Katharina Grosse bis Gerhard Richter", die vom 11.04. bis zum 07.09.2025 in der Albertina Modern Wien zu sehen war, ist ein umfassender Hardcover-Katalog in deutsch-englischer Sprache erschienen. Auf 208 Seiten finden sich 130 Farbabbildungen, die sämtliche ausgestellte Werke zeigen. Allen KünstlerInnen ist jeweils ein Text gewidmet.

ISBN 978-3-422-80324-4

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Mit dem jüngsten Ankauf eines Werkes von Louise Lawler wird der Reihe der Künstlerinnen eine weitere Position hinzugefügt.

Die US-Amerikanische Konzeptkünstlerin hinterfragt mit ihren Arbeiten seit den 1970ern kritisch die Mechanismen des Kunstbetriebes. Sie ist vor allem für ihre Fotografien bekannt, die Kunstwerke nicht in Museen oder Galerien, sondern in privaten Sammlungen, Lagerhallen, bei Auktionen oder in Hotelräumen zeigt. Dabei lenkt sie den Blick auf den Kontext, in dem Kunst präsentiert, besessen und konsumiert wird. Lawlers Arbeiten stellen Fragen zur Autorschaft, zum Werst von Kunst und zur Rolle von Institutionen. Ihr präziser, oft ironischer Blick macht sichtbar, wie stark Bedeutung und Wahrnehmung von Kunst durch ihren sozialen und ökonomischen Rahmen geprägt ist. Lawler zeigt in ihren Arbeiten auf, dass Kunst immer immer im Kontext wahrgenommen wird, der ihre Wahrnehmung beeinflusst.

Im Jahre 2008 konnte die Sammlung Viehof ein ganz besonderes Konvolut von Fotoarbeiten erwerben. Es handelt sich um die 101 C-Prints aus der Serie Winterthur von Thomas Struth. Die Sammlung Viehof ist weltweit die einzige Kunstsammlung, in der sich so viele Arbeiten dieser Serie befinden. Die Blumenbilder und Landschaften von Thomas Struth entstanden zwischen 1991 und 1993 als Auftragsarbeit für die Krankenzimmer einer Privatklinik im schweizerischen Winterthur.

Natur, soweit das Auge reicht. Eine eher triviale, schlichte Thematik, so der erste Gedanke, wird doch das Pflanzen- und Blumenmotiv in unserer heutigen Kultur vorrangig als dekorativ wahrgenommen. . Von bloßem »Dekor« kann hier allerdings keine Rede sein. In den Blumenbildern, die aus großer Nähe, in verschiedensten Blickwinkeln und teilweise über- und unterbelichtet aufgenommen worden sind, geht es Struth nicht um die Darstellung von Vollkommenheit. Vielmehr thematisieren die Aufnahmen die fantastische lebendige Vielfalt an sich, die sich – wie die das Zimmer bewohnenden Patient*innen – nicht im stabilen Gleichgewicht befindet, sondern im Fluss der Zeit. Struth zeigt mitunter noch geschlossene Knospen, bereits welkende Blüten, schiefe Äste und vertrocknete Blätter. Die Blumen und Landschaften haben nicht die Absicht, nur dem Auge zu schmeicheln. Es geht auch nicht um eine schematisch angelegte botanische Klassifizierung.
Dann wäre die eine Löwenzahnblüte Einzelner Löwenzahn – N°37, Düsseldorf, Neanderstraße 25 1993 stellvertretend für alle existierenden Löwenzahnblüten zu verstehen. Struth hingegen geht es allein um diese eine Blüte, mit eben diesen einzigartigen Merkmalen. Die Blume wird hier in starker Vergrößerung unverfälscht als verletzliches Individuum porträtiert. Die konkrete Verortung im Titel unterstreicht dies noch einmal.

Text: Annika Forjahn, in: Freischwimmer - Fotografie der Sammlung Viehof und des Museum Kurhaus Kleve, 2020, S. 88-97

 

Die Sammlung Viehof hat mit einem ihrer jüngsten Ankäufe die Künstlerliste um eine Position in der Sparte Fotografie erweitert. Seit 2006 entwickelt der Düsseldorfer Künstler Sebastian Riemer immer wieder Serien, die den dokumentarischen Anspruch der Fotografie thematisieren, beleuchten und hinterfragen. In seiner Serie Press Paintings beschäftigt sich der Künstler mit historischen Fotos von Presseagenturen, die im analogen Zeitalter üblicherweise mit Hilfe von Farbe retuschiert wurden. Die von ihm in einem langen Suchprozess ausgewählten Vorlagen werden akribisch analysiert und jeweils individuell bearbeitet. Der Eingriff geschieht hierbei nicht im Motiv selbst. Durch hochauflösende starke Vergrößerung, die zu einer Verschiebung in der Wahrnehmung und Herauslösung aus dem originalen Kontext führt, werden Zufälligkeiten hervorgehoben und neue Betrachtungsansätze generiert.

Riemer sagt dazu: "Es ist mir wirklich wichtig, die Materialität und die Alterung der Abzüge ganz deutlich zu zeigen, deshalb wende ich einen fotografischen Prozess an, um sie durch Vergrößerung sichtbar zu machen. Aber ich will auch den fotografierten Personen und Sujets, die auf verschiedene Weise verändert wurden, eine gewisse Würde zurückgeben. Einige von ihnen wurden grausam misshandelt. Deshalb wähle ich oft einen Maßstab, der nah an der Lebensgröße des Abgebildeten liegt, wodurch der Abstand zwischen dem Bildgehalt der alten Abzüge und dem neuen Bildgehalt der originär nicht intendierten Elemente (der Retusche und den Alterserscheinungen) betont wird. Manchmal erscheinen auch die teilweise sehr akkuraten kleinteiligen Retuschen in der Vergrößerung "ungelenk", erinnern eher an kräftige Pinselstriche, wie man sie im Feld der bildenden Kunst kennt, denn an ihre handwerklich angewandte Herkunft. Es gefällt mir außerdem, diesen krassen Vergrößerungsakt so zu betrachten, als würde ich dabei Pseudofresken aus antiken Zeiten der Bildproduktion ausgraben und freilegen. Größe ist hier wirklich entscheidend."

Sebastian Riemer im Gespräch mit David Campany, in: Sebastian Riemer, Press Paintings, S. 283

Großskulptur von Andreas Schmitten am Frankfurter Flughafenbahnhof 07.06.2024

Rund 33.000 Reisende passieren täglich den Fernbahnhof Frankfurt Flughafen, der damit der größte Flughafenbahnhof Deutschlands ist. Hier wurde am 6. Juni 2024 die über fünf Meter hohe Skulptur IMMATERIELLES von Andreas Schmitten enthüllt. Makellos weiß lackiert, ruht der Kopf, getragen von gleich drei Händen über dem sich stetig in alle Richtungen verteilenden Menschenstrom. Die Skulptur bildet mit ihren geschwungenen organischen Formen einen Kontrast zu der statischen, geometrischen Struktur der Bahnhofsarchitektur, der daran erinnert, dass in diesem sachlichen Funktionsgebäude mit seiner Technik und den möglichst atomatisierten und getakteten Abläufen dennoch das Lebewesen Mensch im Mittelpunkt mit seinem Bedürfnis nach Nähe, Interaktion und Körperlichkeit steht.

Die Arbeit von Schmitten ist die zweite Skulptur der Bahnhofs-Kulturreihe "Station to Station", die in Zusammenarbeit mit der Deutschen Bahn und der Stiftung für Kunst und Kultur e.V. vom Bund initiiert wird.

 

Aufstellungsort:
Frankfurt Flughafen Fernbahnhof | Ebene 3
Hugo-Eckener-Ring, 60549 | Frankfurt am Main

--> zum Projekt Station to Station

 

Jongsuk Yoon - Begegnung zweier Welten

In den großformatigen Bildern der in Korea geborenen, in Düsseldorf lebenden Künstlerin, treffen kontrastreich die Tradition der europäischen Landschaftsmalerei mit der asiatischen Malweise aufeinander. Die Farbfelder, die sich mitunter in transparenter Leichtigkeit überschneiden, sind mal glatt, mal mit deutlich sichtbarem Pinselstrich aufgetragen und lassen traumhafte Landschaften entstehen, die keinen Inhalt als sich selbst haben und somit keine Geschichte erzählten. In Jongsuk Yoons Bildern bleibt die Zeit gewissermaßen stehen, was sie zu Orten des Verweilens macht. Drei Landschafsbilder wurden nun für die Sammlung Viehof angekauft, darunter die Arbeit mit dem Titel "Kumgangsan", der nach einer Bergregion innerhalb des Taebaek-Gebirges an der Ostküste Nordkoreas und der Grenze zu Südkorea benannt ist und konkret auf die Wurzeln der Künstlerin verweist.

 

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