Die Sammlung Viehof hat mit einem ihrer jüngsten Ankäufe die Künstlerliste um eine Position in der Sparte Fotografie erweitert. Seit 2006 entwickelt der Düsseldorfer Künstler Sebastian Riemer immer wieder Serien, die den dokumentarischen Anspruch der Fotografie thematisieren, beleuchten und hinterfragen. In seiner Serie Press Paintings beschäftigt sich der Künstler mit historischen Fotos von Presseagenturen, die im analogen Zeitalter üblicherweise mit Hilfe von Farbe retuschiert wurden. Die von ihm in einem langen Suchprozess ausgewählten Vorlagen werden akribisch analysiert und jeweils individuell bearbeitet. Der Eingriff geschieht hierbei nicht im Motiv selbst. Durch hochauflösende starke Vergrößerung, die zu einer Verschiebung in der Wahrnehmung und Herauslösung aus dem originalen Kontext führt, werden Zufälligkeiten hervorgehoben und neue Betrachtungsansätze generiert.
Riemer sagt dazu: "Es ist mir wirklich wichtig, die Materialität und die Alterung der Abzüge ganz deutlich zu zeigen, deshalb wende ich einen fotografischen Prozess an, um sie durch Vergrößerung sichtbar zu machen. Aber ich will auch den fotografierten Personen und Sujets, die auf verschiedene Weise verändert wurden, eine gewisse Würde zurückgeben. Einige von ihnen wurden grausam misshandelt. Deshalb wähle ich oft einen Maßstab, der nah an der Lebensgröße des Abgebildeten liegt, wodurch der Abstand zwischen dem Bildgehalt der alten Abzüge und dem neuen Bildgehalt der originär nicht intendierten Elemente (der Retusche und den Alterserscheinungen) betont wird. Manchmal erscheinen auch die teilweise sehr akkuraten kleinteiligen Retuschen in der Vergrößerung "ungelenk", erinnern eher an kräftige Pinselstriche, wie man sie im Feld der bildenden Kunst kennt, denn an ihre handwerklich angewandte Herkunft. Es gefällt mir außerdem, diesen krassen Vergrößerungsakt so zu betrachten, als würde ich dabei Pseudofresken aus antiken Zeiten der Bildproduktion ausgraben und freilegen. Größe ist hier wirklich entscheidend."
Sebastian Riemer im Gespräch mit David Campany, in: Sebastian Riemer, Press Paintings, S. 283