Dibbets, Jan Perspective Collection Sol Lewitt, 2004
Farbfotografie, chromogener Abzug Bildmaß: 120 x 120 cm © VG Bild-Kunst, Bonn 2025 Courtesy: der Künstler & Galerie Konrad Fischer Düsseldorf/Berlin Foto: Jan Dibbets

Text zum Werk

Dibbets Perspektive Interventionen, wie zum Beispiel das Werk "Perspective Collection Sol Lewitt", entstehen durch Anbringung von geometrischen Formen im Raum. Die Formen, wie zum Beispiel Quadrate oder Kuben, sind bei frontaler Ansicht verzerrt, erscheinen in die Länge gezogen und unregelmäßig.
Erst durch den Wechsel der Perspektive, in der ein definierter Standpunkt eingenommen wird, erscheinen diese Formen plötzlich korrekt. Es erscheint zum Beispiel ein exaktes Quadrat, das im Raum zu schweben scheint.
Das zum Abschluss aufgenommene Foto hält diesen Blickpunkt exakt fest und macht das Paradoxe augenscheinlich. Die reale, verzerrte Markierung auf der Wand wirkt auf der Fotografie wie eine perfekte geometrische Figur, die jegliche Raumlogik durchbricht. Der reale Raum bleibt unangetastet und erhalten, doch der fotografische Blick zwingt ihn in eine neue Ordnung. Es ist ein Spiel mit der Wahrnehmung und den Sehgewohnheiten. Wir sehen etwas, das "stimmt" und wissen doch, dass es nur aus einem bestimmten Blickwinkel so sein kann.

Zur Person

geboren 1941 in Weert, Niederlande
lebt und arbeitet in Amsterdam, Niederlande

Jan Dibbets ist ein niederländischer Konzeptkünstler, der vor allem durch seine fotografischen Arbeiten bekannt wurde. Er studierte zunächst an der Stadsacademie voor Toegepaste Kunsten in Maastricht (heute: Zuyd Hogeschool, Faculty of Arts) und setzte seine Ausbildung später in London an der St. Martins School of Arts fort. Dort kam er in Kontakt mit Ideen der Minimal Art und Konzeptkunst, die seine eigene künstlerische Haltung stark prägten. 

Seit den späten 1960er-Jahren beschäftigt er sich mit der Frage, wie Wahrnehmung und Perspektive unsere Sicht auf Raum und Landschaft bestimmen.
Mit fotografischen "Perspektivkorrekturen" und seriellen Aufnahmen hinterfragt er die traditionelle Zentralperspektive und spielt mit der Beziehung zwischen Natur und Abstraktion. Neben seinen Fotoarbeiten hat Dibbets auch Kunst-im-öffentlichen-Raum-Projekte realisiert, etwa Glasfenster in der Kathedrale von Reims. Er gilt als wichtiger Vertreter der europäischen Konzeptkunst, dessen Werk die Grenzen zwischen Malerei, Fotografie und Rauminstallation neu auslotet.