Dekyndt, Edith Underground 04 (Lens), 2017
Stoff 374 x 460 cm © VG Bild-Kunst Bonn, 2025 Courtesy: the artist & Konrad Fischer Galerie

Text zum Werk

Die Arbeit Underground 04 (Lens) stammt aus einer Serie, für die Dekyndt häuft einfache gebrauchte Vorhänge oder Stoffbahnen verwendet, die oft selbst schon eine eigene "Lebensgeschichte" innehaben.
Sie vergräbt diese Stoffstücke an verschiedenen Orten, lässt sie dort über Wochen oder Monate liegen und gräbt sie später wieder aus.
In dieser Zeit in der Erde verfärbt sich der Stoff, zersetzt sich und auf die Oberflächen setzen sich mineralische Stoffe ab. So entsteht eine natürliche entstandene Zeichnung.
Hier tritt der Faktor Zeit als schöpferische Kraft auf, der eine zufällige Veränderung nach sich zieht, die dann zu einem gewissen Zeitpunkt aufgehalten und archiviert wird. Über die stoffliche Ebene hinaus gibt es auch eine metaphorische Bedeutung. Ein Vorhang kennzeichnet den Übergang zwischen Räumen, das davor und dahinter. Durch die gezielte Zersetzung wird diese Trennung transparenter, durchsichtiger, die Funktion als Blickschutz geschwächt.

Zur Person

geboren 1980 in Ypres, Belgien
lebt und arbeitet in in Brüssel und Berlin

Edith Dekyndt schloss nach ihrem Studium der visuellen Kommunikation einen Master in Visual Arts an der École des Beaux-Arts in Mons an.
Dekyndt lotet in ihren Arbeiten die Grenzen zwischen Wahrnehmung, Materie und Zeit aus.
Sie arbeitet mit alltäglichen Materialien - Stoffe, Erde Flüssigkeiten, Staub, Salze, Blut, Hefe - und setzt sie gezielt natürlichen oder physikalischen Prozessen aus: Gärung, Kristallisation, Schimmelbildung, Kapillarwirkung. Indem sie den Prozess inszeniert und dokumentiert, erzeugt sie oft überraschend poetische, fragile, teils beunruhigende ästhetische Erfahrung.
Ihre Werke verbindet verschiedene Medien: Video, Installation, Skulptur, Zeichnung, Sound. Archaische Phänomene und moderne Technologien verschränken sich, und jede Arbeit reagiert auf ihre Umgebung und den Ausstellungsort.